Archiv der Kategorie: Studium

Studentische Auslandsmobilität Erhöhen – Diskutiere mit

Der DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) organisiert im Rahmen seiner Kampagne „studieren weltweit – erlebe es!“ am 19. und 20. Juni in Essen eine Tagung mit vorangehender Online-Diskussion unter dem Titel „„Studentische Auslandsmobilität erhöhen! – Soziale Diversität und Lehramt als Herausforderung und Chance“, die vier Gruppen in den Fokus nehmen möchte:

All diese Gruppen sind – aus verschiedenen Gründen – statistisch bei Auslandsaufenthalten unterrepräsentiert. Im Rahmen des Austausches und der Diskussion geht es um die Identifikation von Hürden und mögliche Verbesserungspotentiale im Sinne der jeweiligen Zielgruppen.

Ich bin studentische Themenpatin für den Bereich Auslandsaufenthalt mit Beeinträchtigung oder chronischer Erkrankung und lade euch hiermit herzlich ein, euch noch bis zum 19. May an der Online Diskussion zu beteiligen. Hier ist mein Video in dem ich erzähle, warum sich für mich als Studentin mit Seheinschränkung Mein Auslandssstudium in Galway akademisch und persönlich gelohnt hat.

Diskutiere Mit!

Im Bereich Auslandsaufenthalt mit Beeinträchtigung oder chronischer Erkrankung findet ihr Thesen und Umfragen rund um die Themen Planung, Finanzierung und Durchführung von Auslandsstudien und Praktika, zu denen ihr kommentieren und abstimmen könnt. Die Ergebnisse werden in der Tagung im Juni ausgewertet und diskutiert.

Im Abschnitt Deine Geschichte könnt ihr von euren eigenen Auslandserfahrungen berichten und Tipps teilen, um andere Studierende zu ermutigen diese Chance zu nutzen.

Folgt Studieren Weltweit auch auf Facebook, Twitter und Instagram

 

Blogprojekt: Studieren Weltweit – Studium in Irland

 

Auch wenn es auf diesem Blog im Moment eher ruhig ist, schreibe ich auf Studieren Weltweit weiter fleißig über meine Zeit in Galway an der Irischen Westküste. Hier eine Übersicht einiger Artikel zu den Themen Planung und Finanzierung von ERASMUS-Jahr und Auslandsstudium sowie meinem Studienalltag mit Sehbehinderung. Für Fotos könnt ihr mir zusätzlich auf Instagram folgen.

Finanzierung eines Erasmus+ Studiums mit Behinderung

Im Post „Wohin als Studierende mit Behinderung?“ habe ich die wichtigsten Anlaufstellen für die Planung meines Erasmus+ Jahres an der National University of Ireland Galway genannt. Ich habe viel Verständnis und Hilfe von meinem Erasmus+ Koordinator, dem Akademischen Auslandsamt und dem International Office bekommen. Alle Mitarbeitenden haben mich in meiner Entscheidung ins Ausland zu gehen bestärkt.

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Ein Königreich für ein Bett – Wohnen in Galway

Nachdem Finanzierung und Kursauswahl für den ERASMUS+– Aufenthalt in Irland geregelt waren, galt es ein Zimmer in Galway zu finden. Ich bin kein Fan von WGs, aber nachdem ich mir einige irische Webseiten zur Wohnungssuche  angesehen hatte, wurde mir klar, dass eine eigene Einraumwohnung ein Wunschtraum bleiben würde.

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Ich packe meinen Koffer: Irland Essentials

Mir wurde erst richtig bewusst, dass mein ERASMUS+-Jahr jetzt startet, als ich wenige Tage vor Abflug nach Galway anfing meinen Koffer zu packen. Hier ein paar nützliche Hinweise fürs Kofferpacken im Allgemeinen und ein paar Dinge die auf einer Irlandreise nicht fehlen dürfen.

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Studentenjobs im Ausland – Telefonauskunft

Viele Studierende arbeiten irgendwann im Laufe ihres Studiums im Kundensupport am Telefon. Im Ausland auf Englisch mit wildfremden Menschen zu telefonieren, von denen einige einen starken irischen Akzent haben oder selbst Ausländer sind, ist allerdings noch eine Stufe anspruchsvoller.

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Studieren mit Sehbehinderung

In diesem Post möchte ich kurz erklären, wie blinde und sehbehinderte Studierende arbeiten. In den letzten Jahren hat sich die Technik auf diesem Gebiet stark weiterentwickelt und das Internet erleichtert uns vieles. Trotzdem ist es immer noch schwierig an barrierefreie Fachliteratur zu kommen.

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Blogprojekt: Studieren Weltweit

Ab sofort schreibe ich für den Blog Studieren Weltweit über mein ERASMUS-Jahr und mein Auslandsstudium in Galway. Meinen ersten Blogbeitrag „Blind im Ausland Studieren – Geht das?“ findet ihr hier. Unter dem Hashtag #ErlebeEs könnt ihr mir und den anderen Korrespondenten außerdem auf Facebook, Twitter und Instagram folgen.

 

Workshop: Bewerbungstipps und wie Präsentiere Ich Meine Behinderung als Stärke

Am 14. 02. 2015 fand in den Räumen des Blinden –und Sehbehindertenverbandes Sachsen BSVS in Dresden ein eintägiger Workshop zum Thema Wie bewerbe ich mich richtig und wie präsentiere ich meine Behinderung als Stärke; oder nehme zumindest dem Arbeitgeber die „Angst“ Angestellte mit Beeinträchtigungen zu beschäftigen. Auf dem Tagesplan standen neben Aufbau und Inhalt von Bewerbungsmappe, Lebenslauf und Motivationsschreiben auch elektronische Bewerbungen und speziell das Ansprechen der Sehbehinderung im Vorstellungsgespräch. Da wir eine kleine Runde waren, blieb genug Zeit für individuelle Fragen sowie Erfahrungsaustausch zum Seminarinhalt und anderen Themen.

Wer Bist Du und Warum Bist Du Hier?

Nachdem wir großzügig mit Kaffee, Tee und Keksen bewirtet wurden, stellten wir uns und unsere Erwartungen und Hoffnungen an das Seminar kurz vor. Interessanterweise kamen die Teilnehmenden aus den unterschiedlichsten Berufsbereichen und befanden sich an den verschiedensten Punkten in ihrer Karriere. Es gab Beschäftigte, seit Kurzem und seit Längerem Arbeitssuchende, Auszubildende und Studierende der Psychologie, Informatik und ich eben aus dem Sprach und–Kulturbereich.

Ich hatte mich ehrlich gesagt kurz entschlossen aus reinem Interesse angemeldet. Abgesehen von sporadischen Übungen in der Schule habe ich mich bis jetzt ausschließlich in Englisch beworben. Da ich im Moment aber nach einer Stiftung suche, die meinen Master im Ausland finanziert, kam mir die Gelegenheit recht. Der Preis stimmte und außerdem konnte ich die Fahrt nach Dresden gleich mit einem Besuch verbinden.

Die Referenten

Elvira ist Integrationsberaterin im Berufsbildungswerk Dresden und dort für die Durchführung von Bewerbungstrainings sowie für die individuelle Begleitung des Bewerbungsprozesses tätig. Steven war kurzzeitig ebenfalls im Berufsbildungswerk als Rehabilitationskoordinator tätig und arbeitet derzeit bi der AWO Sachsen als Fachreferent für den Bereich offene Sozialarbeit / Behindertenhilfe. Steven organisierte den Workshop zusammen mit André, beide sind Jugendsprecher des Blinden – und Sehbehindertenverbandes Sachsen ev. Für Rückfragen oder Infos zu anderen Veranstaltungen des Vereins könnt ihr die beiden gern kontaktieren:

s.brentrop@bsv-sachsen.de und a.brendle@bsv-sachsen.de

Literatur zum Thema

Zu den Themen Bewerbungsmappe, Anschreiben und Lebenslauf finden sich im Internet und in der einschlägigen Literatur massenhaft Ratschläge und Beispiele. Meiner Meinung nach gibt es sogar so viel, dass ich den Überblick verliere und gar nicht mehr weiß an was ich mich am Besten orientiere. Besonders Bücher aber auch Internetquellen veralten schnell und am Ende sind viele Sachen heute gar nicht mehr üblich. Viele Quellen sind also mit Vorsicht zu genießen und ihr solltet immer vergleichen. Ich persönlich empfand es als sehr hilfreich, Tipps direkt von einer Expertin zu bekommen und direkt Nachfragen zu können. Viele Fragen ergaben sich erst im Gespräch.

Ich gehe hier nur auf Punkte ein, die mir vorher unbekannt waren oder die ich für besonders erwähnenswert halte.

Wie Läuft dein Leben?

Ich persönlich ziehe den Englischen CV der Deutschen Version des Lebenslaufes vor. Im Englischen und inzwischen teilweise auch im Deutschen beginnt man mit der Aufzählung der Lebensabschnitte chronologisch beim Aktuellsten beginnend und endet mit dem höchsten Schulabschluss. Durchaus sinnvoll, denn wen interessiert wo ich in der Grundschule oder sogar im Kindergarten war? Zugegeben bei jungen Leuten mit wenig Arbeitserfahrung bleibt der Lebenslauf ziemlich kurz, aber viel Text spricht nicht unbedingt für gute Qualifizierung. Personalchefs lesen hunderte von Bewerbungen, also kann man ihnen die Arbeit auch erleichtern und nur relevante Fakten schreiben. Manchmal liegt die Würze eben doch in der Kürze.

Die Frage der Anonymität und Mut zur Lücke

Einige Britische und Amerikanische Firmen weisen explizit darauf hin, dass sie keine Angaben zu Familienstand und ethnisch-religiösem Hintergrund haben wollen. Teilweise sogar keine Hinweise auf Nationalität, Geburts – Ort und Datum sowie Geschlecht. Dieses Verfahren soll bewusste und unbewusste Diskriminierung vermeiden. In Deutschland gehören Details zur Person (außer Religion) zumeist noch zum Standard.

Monatsgenaue Zeitangaben reichen aus. Lücken im Lebenslauf sollten nicht verschwiegen, aber im Rahmen der Wahrheit positiv dargestellt werden. „Arbeitssuchend“ klingt besser als „Arbeitslos“ und „Berufliche Neuorientierung“ wirkt besser als „Studienabbruch“. Außerdem bitte nicht alle Krankheiten und Krankenhausaufenthalte einzeln auflisten.

Foto! Lächeln Bitte!

Auf einen Englischen Lebenslauf habe ich nie ein Foto geklebt und obwohl es in Deutschland auch nicht mehr Pflicht ist, wird es doch häufig positiv anerkannt und die Bewerbung wirkt insgesamt persönlicher. Darüber was man anhaben sollte gibt es wie bei so Vielem widersprüchliche Meinungen. Eine knallharte Bänkerin im schwarzen Kostüm oder ein seriöser Versicherungsvertreter im neutralen Anzug würden zu kalten Farben raten. Bewirbt man sich jedoch für einen kreativen Job oder eine Position im sozialen Bereich, wirken wärmere aber nicht zu knallige Farben sympathischer. Auch für das Bewerbungsgespräch hat es wenig Sinn sich zu verkleiden und dann sichtbar unwohl zu fühlen. Ein guter Tipp: Fragt eine nahe stehende Person zu ihrer / seiner ehrlichen Meinung zu eurem Outfit und nehmt am Besten jemand zum Fototermin mit.

Ich persönlich hasse Fototermine und zögere sie so lange wie möglich heraus. Bis jetzt waren die meisten Fotografen unter Zeitdruck und reagierten nicht besonders net und geduldig, wenn ich aufgrund meiner Sehbehinderung nicht genau dort hin schaute wo sie wollten. Solche Momente sind mir ziemlich peinlich und ich will sie so schnell wie möglich hinter mich bringen. Logischerweise ziehe ich auf den entstandenen Bildern ein entsprechend unfreundliches Gesicht, nehme das Bild dann aber, weil ich die Sache beenden will. Bei gewöhnlichen Passfotos ist das nicht weiter schlimm, da darf man eh nicht lächeln und die meisten Leute sehen auf biometrischen Fotos ohnehin aus wie Kriminelle. Für Bewerbungen sind diese Bilder allerdings eher schädlich. Das nächste Mal werde ich hartnäckiger sein und das Bild nicht kaufen, wenn es mir nicht gefällt. Schließlich gibt es in jeder Stadt mehrere Fotogeschäfte.

Bei guten Läden bekommt ihr eine CD dazu, damit man das Bild auch digital hat und es beliebig nachdrucken kann. Selbstgedruckte Fotos sollten nur auf dem Lebenslauf sein, wenn sie gute Qualität haben und nicht verpixelt sind.

Material und Inhalt der Bewerbungsmappe

Wenn ihr nicht gerade Bewerbungen am Fließband produzieren müsst oder das Geld nicht von der Agentur für Arbeit zurück bekommt ist es sinnvoll in gute dreiteilige Mappen zu investieren und dickeres Papier zu verwenden, damit die Unterlagen nicht schon vom Angucken knitterig werden. Aus den dreiteiligen Mappen mit Laschen rutschen die Blätter nicht so einfach heraus und das Anschreiben wird oben lose aufgelegt. Aber auch klassische Schnellhefter sind in Ordnung. Mir gefiel die Idee zum Gespräch noch einmal die Edel-Version der Mappe mitzubringen, die oft wieder mitgenommen werden kann.

In einem Anschreiben schreibt ihr wo ihr das Jobangebot gefunden hab (Kennnummer angeben wenn vorhanden), warum ihr euch auf diesen Job bewerbt und welche Qualifikationen ihr dafür mitbringt. Ein Motivationsschreiben wird eher bei Praktika verlangt. Hier spielen persönliche Motivation und Interessen eine entscheidendere Rolle.

Überraschend für mich war, dass Einleitungssätze wie „Hiermit bewerbe ich mich . . .“ völlig out sind. In vielen Online-Beispielen von Max Mustermann ist diese Formulierung häufig zu lesen. Mit dem Standardspruch weckt man allerdings kein Interesse. Die Einleitung muss zum Weiterlesen motivieren. Es erfordert einiges an Übung den richtigen Ton zu treffen. Der Text sollte weder zu unsicher noch zu selbstüberzeugt klingen. Die häufige Verwendung des Konjunktivs – eine meiner persönlichen Schwächen – vermittelt einen ungewollt wagen Eindruck. Schlagwörter wie „teamfähig“ und „kommunikationsfreudig“ klingen leer, wenn sie nicht anhand von Beispielen belegt werden.

Bewerbung per E-Mail

Heutzutage bevorzugen viele Arbeitgeber Bewerbungen als E-Mails oder sie haben sogar ihr eigenes elektronisches Bewerbungsverfahren. Aber auch hier gibt es Regeln. Wenn nicht anders gefordert sollte der Inhalt der Bewerbungsmappe als eine PDF an die Mail angehängt werden. PDFs sind einfach zu öffnen und drucken, außerdem haben sie oft eine geringere Speichergröße als andere Formate. Zusatzunterlagen wie Zeugnisse und Textproben können in einer zweiten PDF geschickt werden. Sowohl die Datei als auch der Betreff sollten mit aussagekräftigen Namen versehen werden. Die Mail an sich leer zu lassen oder ohne Anrede und Grußformel nur „Siehe Anhang.“ zu schreiben, gilt als unhöflich.

Ähm, Da War Ja Noch Was – Die Behinderung

Mit dem Thema Behinderung und Arbeitssuche müssen sich die wenigsten Bewerber beschäftigen, daher wird es auch kaum in allgemeinen Workshops und der Literatur angesprochen. Der ungeschickte Umgang mit der für den potentiellen Arbeitgeber oft heiklen und unangenehmen Thematik kann aber für Arbeitssuchende fatale Folgen haben. Ähnlich wie mit Lücken im Lebenslauf bringt es wenig die Tatsache zu verstecken. Spätestens beim Gespräch – oder bei weniger sichtbaren Behinderungen kurz nach der Einstellung – fällt es ohnehin auf und für eine Beeinträchtigung muss sich niemand schämen! Trotzdem ist es ratsam die Behinderung erst gegen Ende zu nennen, schließlich sollten fachliche Qualifikationen die entscheidende Rolle spielen.

Positiv Wirken

Langatmige Ausführungen wie man mit Spezialtechnik arbeitet sollten im Anschreiben vermieden werden. Blinde beispielsweise können jedoch Computerkenntnisse und wenn vorhanden sehr schnelles Zehn-Fingerschreiben als Fähigkeit angeben. Menschen, die noch nie mit Menschen mit Handicap gearbeitet haben wissen teilweise wirklich nicht, dass diese Computer benutzen können. Ein Satz wie „Für weitere Nachfragen diesbezüglich stehe ich ihnen gern zu einem persönlichen Gespräch zur Verfügung“, mindern die Berührungsängste. Obwohl eine Seminarteilnehmerin von einem Gespräch berichtete, zu dem sie stundenlang anreiste, nur weil ihr Gegenüber einmal wissen wollte, wie Blinde arbeiten. Schon am Anfang verkündete der nette Herr,, dass er nie vorgehabt habe, die Bewerberin einzustellen. Solche Vorfälle sind hoffentlich eine Seltenheit und so etwas muss sich niemand bieten lassen. Ich würde aufstehen und gehen.

Die Behinderung als Stärke

Eine Behinderung ist nicht nur eine Schwäche, sie fördert auch Stärken: Anstatt Formulierungen wie „Trotz meiner Behinderung kann ich . . .“ raten Experten zu Sätzen wie:

Durch meine Sehbehinderung habe ich früh gelernt strukturiert und zielorientiert zu arbeiten und meinen Alltag effizient zu planen. Da ich mich weniger visuell verständige, bin ich verbal sehr kommunikativ und spreche meine Mitmenschen an, wenn ich Hilfe benötige. Diese Fähigkeit macht mich zu einer teamfähigen Mitarbeiterin. Technik und besonders der Computer helfen mir ungemein im privaten und beruflichen Leben. Daher beherrsche ich die gängigen Textverarbeitungsprogramme, sowie das Zehnfingerschreiben und sorgfältige Internetrecherche.

Diese positive Beschreibung eignet sich besonders für Bürojobs und Tätigkeiten in den Bereichen Journalismus. Kundenservice und Soziales, erweist sich aber in leicht abgewandelter Form beispielsweise auch für Informatiker_Innen als hilfreich.

Die Unsicherheit im Gespräch Nehmen

Es kommt vor, dass die Behinderung überlesen wurde, aber das ist dann Nachlässigkeit der Personalabteilung und manchmal kann der Überraschungseffekt helfen. Größere Unternehmen beschäftigen oft eine_n Behindertenbeauftragte_n, der / die beim Gespräch in vermittelnder und beratender Funktion anwesend ist. Bevor es zu verlegenem Schweigen gegen Ende des Gespräches kommt, empfiehlt es sich die Behinderung selbst in positiven Formulierungen anzusprechen. Bei Interesse passt an dieser Stelle eine kurze Erläuterung der eigenen Arbeitsweise. Ihr solltet auch offen zugeben, was ihr definitiv nicht könnt, zum Beispiel das erstellen von visuell ansprechenden Werbeprospekten. Das Nichtvorhandensein eines Führerscheins muss nicht zwangsläufig ein Ausschlusskriterium sein. Oft ist er gar nicht zwingend nötig und außerdem gibt es für ungefähr die Hälfte der Arbeitszeit Arbeitsassistenz.

Die Angst vor Mehrkosten und wirtschaftlichen Verlusten Nehmen

Viele Arbeitgeber/Innen wissen nicht, dass die Einstellung von Behinderten kein Nachteil ist, sondern sogar ein Vorteil sein kann. Zum einen sparen sie eventuell die meiner Meinung nach noch zu geringe Gebühr für nicht Erfüllen der Quote und zum Anderen zahlen andere Träger den Mehrkostenaufwand. Die bereits erwähnte Arbeitsassistenz zahlt das Integrationsamt. Auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder die Firma bekommt Geld, um eine/n andere/n Mitarbeiter/In für zusätzliche Stunden als Assistenz zu beschäftigen oder man sucht sich eine Externe Arbeitskraft. Arbeitgeber_Innen bevorzugen oft ersteres, da es sich um internes Personal handelt. Allerdings kann die Assistenz bei Arbeitsplatzwechsel nicht mitgenommen werden. Zudem behalten Chefs den Haupteinfluss über interne Mitarbeiter. Um externe Assistenz müsst ihr euch selbst kümmern. Das heißt ihr seit für die regelmäßige Lohnabrechnung verantwortlich. Dieses Konzept ist dagegen selbstbestimmter und flexibler. Ihr wählt die Person selbst und vereinbart mit ihr eine Arbeitsweise. Anfangs steht auch Mobilitätstraining auf dem Weg zur Arbeit und am Arbeitsplatz zur Verfügung.

Arbeitsplatzausstattung – ein Weiterer Kostenpunkt

Die behindertenspezifische Ausstattung wird wiederum von der Agentur für Arbeit finanziert. Darunter fällt nicht die Hardware, da diese alle Angestellten benötigen, aber beispielsweise Screenreader-software, Brailezeilen, extragroße Bildschirme, Stehschreibtische und teurere Stühle bei Rückenproblemen. Abhängig von den zuständigen Bearbeitern und der Verfügbarkeit der finanziellen Mittel ist hier Hartnäckigkeit gefragt. Preisvergleiche bei diversen Herstellern können sich lohnen. Oft werden anstatt der gewünschten Hilfsmittel preisgünstigere Varianten genehmigt. Hier hilft meistens das Argument, dass ihr euch in unbekannte Software und Bedienkonzepte erst einarbeiten müsst, wofür während der Arbeitszeit keine Zeit ist. Dies kann nur durch Spezialschulungen ausgeglichen werden, welche am Ende sogar teurer sind als die gewünschten Hilfsmittel. Durch diese Ausführungen verlieren die meisten Arbeitgeber_Innen ihre Bedenken gegenüber behinderten Bewerber/Innen.

Solltet ihr den Job nicht bekommen, war vielleicht doch jemand anders besser qualifiziert oder die Personaler sind einfach ignorant. Im zweiten Fall hätte ich wenig Lust mit diesen Menschen zusammenzuarbeiten. Nur nicht aufgeben und weiter bewerben!

Fazit:

Weitergebildet und neu motiviert beendeten wir diesen aufschlussreichen Arbeitstag. Ich habe jetzt mehr das Gefühl meine Rechte zu kennen. Menschen mit Handicap sind keine Lasten sondern Bereicherungen für den Arbeitsmarkt. Diese Bestärkung vermittelt neues Selbstbewusstsein. Wir sollten aufgrund unserer beruflichen Qualifikationen und nicht aus falschem Mitleid eingestellt werden. Leider ist immer noch ein Großteil der Deutschen mit Beeinträchtigungen arbeitslos oder zumindest unterbezahlt und das trotz abgeschlossenen Ausbildungen oder akademischen Qualifikationen. Bevor sich daran grundlegend etwas ändert müssen Vorurteile und Barrieren in den Köpfen abgebaut werden. Dazu müssen auch die „Betroffenen“ beitragen, indem sie versuchen angesichts dumm erscheinender Fragen verständnisvoll, ruhig und sachlich zu reagieren. Auf die Frage: „Haben sie einen Führerschein?“ würde ich jetzt antworten: „Nein, mit 5% Sehvermögen ist da nichts zu machen, aber ich bekomme Arbeitsassistenz vom Integrationsamt bezahlt, die mich zu Außenterminen begleitet.“

In diesem Sinne: erfolgreiches Bewerben und nicht verzweifeln, auch wenn es manchmal schwer fällt!

Danke an Elvira und Steven für den Workshop und danke André für seine Mithilfe an diesem Artikel.

Über Umwege zum Home-Office – Auslandsjahr im Studium und Dann?

Als ich wie in letzter Zeit so häufig mal wieder planlos durch abonnierte Blogs und Twitter stöberte, fand ich den Aufruf zur Blogparade Abenteuer Home-Office und dachte, dass mich die Thematik auch betrifft. Als Studentin in der letzten Phase eines BA Studiums Anglistik bin ich zwar nicht Selbstbeschäftigt im klassischen Sinne, trotzdem muss und möchte ich mich jeden Tag aufs Neue selbst beschäftigen, selbst motivieren und selbst kritisieren.  

Am Anfang war Alles Anders

Als ich zum Wintersemester 2011 mein Studium an der Uni Leipzig – damals noch mit Hauptfach Germanistik – begann, war ich ehrlich gesagt ziemlich überfordert mit den neuen Anforderungen. Egal wie gut die Vorbereitung in der Schule war, der Eintritt ins Studentenleben ist für alle Schüler eine große Umstellung. In meinem ersten Jahr viel es mir schwer wichtige Aufgaben zu priorisieren. Ich wollte alle Übungen möglichst ausführlich bewältigen, aber die Zeit schien irgendwie nie zu reichen und ich fühlte mich selten ausreichend vorbereitet. Immer gab es noch ein Buch, das ich lesen hätte müssen, können, sollen…

Dank des neuen Bachelor -Master Systems war mein Stundenplan voll mit interessanten und weniger interessanten neuen Fächern: Literaturwissenschaft war plötzlich mehr als „Was will uns der Dichter damit sagen?“; In der Grammatik gab es plötzlich selten richtig oder falsch; und auf einmal musste ich Alt –und Mittelenglisch lesen und Wörter (neuerdings Lexeme) phonologisch transkribieren können. Bücher mussten eingescannt und bearbeitet werden und obwohl die studentischen Scannkräfte immer gute Arbeit leisteten, hatte ich oft das Gefühl nicht rechtzeitig fertig zu werden – Eine endlos scheinende Abfolge von Referaten, Hausarbeiten und Prüfungen unterbrochen von Semesterferien, in denen ich mich zwar erholte, aber gleichzeitig das Gefühl hatte, alles Gelernte zu vergessen oder mindestens zu verdrängen.

Schnell bemerkte ich, dass das WG Leben eher nichts für mich ist. Anfangs dachte ich nach zwölf Jahren im Internat wäre es für mich kein Problem mehr mit anderen Menschen zu leben; im Gegenteil ich glaubte sogar es wäre schrecklich alleine zu wohnen. Aber im Internat gab es Erzieher um Streits zu schlichten, alle hatten einen ähnlichen Tagesablauf, wir mussten nicht putzen und kochen und viele kannten sich seit dem Sandkasten. Vielleicht lag es an der WG-Zusammensetzung, insbesondere der Tatsache, dass ich der einzige Erstie war und die anderen Medizin oder Jura studierten. Auf jeden Fall verließ ich nach dem ersten Semester fluchtartig die WG und zog in ein winziges und ziemlich ramponiertes Einzelzimmer im Studentenwohnheim – meine erste eigene Bude.

Klappe die Zweite

Im zweiten Jahr gestand ich mir selbst endlich ein, dass es mit meiner Sehbehinderung und meinem Ehrgeiz sinnvoller wäre, weniger Kurse pro Jahr zu belegen. Wozu durchs Studium rasen ohne Zeit zu haben sich mit interessanten Themen mehr zu beschäftigen, wenn man sowieso länger Bafög bekommt? Außerdem hörte ich auf jedes oder jedes zweite Wochenende einmal quer durch Deutschland zu fahren.

Leider war der soziale Anschlusszug in meinem Studienjahrgang zu dieser Zeit schon abgefahren. Während den ersten, wichtigen Monaten, in denen sich noch niemand kannte und Grüppchen gebildet wurden, hockte ich in der Bibliothek oder gondelte durch die Pampa. Meine Mitstudierenden blieben für mich lange die sprichwörtliche graue Masse. Hinzu kommt, dass ich meinen Blindenstock kaum bis gar nicht benutze und die Leute daher nicht wissen können, dass ich nicht unhöflich bin, wenn ich sie nicht grüße oder mich alleine irgendwo hinsetze, sondern sie einfach nicht sehe. Wenn ich gute Laune habe, sage ich den Leuten das einfach, aber ich bin mir nicht sicher, wie effektiv diese Methode wirklich ist. Jedes Mal sage ich mir, ich benutze den „Knüppel“ mehr, wenn ich wieder irgendwo neu anfange, aber nach ein paar Wochen gebe ich den guten Vorsatz wieder auf; Nicht unbedingt weil ich schlechte Erfahrungen mit den Reaktionen meiner Mitmenschen mache oder mich schäme, sondern weil ich die Stöcke ständig in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln vergesse und ihnen dann hinterher renne. Außerdem ist meine Stocktechnik eine Katastrophe und ich trage das Ding eher wie einen Zauberstab durch die Gegend. Vielleicht sollte ich über einen Führhund nachdenken, den lasse ich hoffentlich nicht irgendwo Sitzen.

Mein Stundenplan war immer noch relativ voll und ich suchte mir Veranstaltungen am Vormittag aus, damit ich früh aufstehen musste und einen geregelten Tagesablauf hatte. Um Anschluss zu finden traf ich mich mit Ausländischen Studierenden um ihnen beim Eingewöhnen in Leipzig und Deutsch lernen zu helfen. Das war eine tolle Erfahrung, nur leider blieben die Leute meistens nur für ein Semester. Außerdem fing ich an für ein recht kurzlebiges studentisches Onlinemagazin Rezensionen zu schreiben. Mir wurde plötzlich bewusst, wie viele Konzerte, Theateraufführungen, Kunstprojekte und Lesungen in Leipzig regelmäßig stattfinden. Ich bekam kostenlose Tickets und konnte meistens sogar noch jemanden mitnehmen. Nach dem zweiten Studienjahr fühlte ich mich in Leipzig zu Hause.

Auf und Davon!

Dank des ERASMUS-Programms, einem großartigen Angebot des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, verbrachte ich mein drittes Studienjahr in Galway, einer Kleinstadt an der Irischen Westküste. Im Nachhinein betrachtet war dies die beste Zeit meines Studiums – vielleicht sogar die beste Zeit meines bisherigen Lebens. Über diese unvergessliche Erfahrung, aber auch über die Hürden bei der Planung möchte ich später noch schreiben.

In Irland lebte ich in einer Art idyllischen Blase: Als eine von hunderten internationalen Studierenden konnte ich noch einmal völlig von vorne anfangen. Unis im englischsprachigen Raum funktionieren anders als in Deutschland; wenn man will, kann man den ganzen Tag auf dem Campus verbringen. Es gibt Clubs für so ziemlich alle Sportarten von tanzen, über tauchen und Kajak-Fahren bis hin zum Bergsteigen. Eine unglaubliche Vielfalt von Societies organisiert Konzerte, Ausflüge und Spielabende. Da weiß man wenigstens was mit den nicht gerade geringen Studiengebühren passiert. Neben Kunst und Kultur bieten Galway und Irland im Allgemeinen unglaubliche Landschaften und jede Menge Meer. Für Menschen wie mich, denen es schwer fällt den ersten Schritt in der Kontaktaufnahme zu gehen, sind die Iren der ideale Menschenschlag. Man wird immer irgendwo angesprochen und fühlt sich irgendwie dazugehörig. Aber ich komme mal wieder ins Schwärmen, dazu soll es später wie gesagt extra Beiträge geben.

Und Jetzt?

Wer so ausdauernd ist und immer noch mitliest, erfährt jetzt endlich was diese Ausschweifungen über mein Studium mit der Blogparade Home-Office zu tun haben:

Nach einer Sommerurlaubsverlängerung in Irland schlug ich wieder in Deutschland auf und freute mich Familie und Freunde wieder zu sehen. Bis auf einen zweiwöchigen Besuch von meiner besten Freundin und gelegentlichen Zweizeiler-Mails und noch selteneren Skype-Anrufen hatte ich ziemlich wenig Kontakt zu Deutschland. Mir war schon nach den ersten Monaten in Irland klar, dass ich dort weiter studieren wollte und meine Zukunftspläne konzentrierten sich von da an ausschließlich auf dieses Ziel.

Nach einer neuen WG-Episode und im Vergleich zu Leipzig irrsinnig hohen Mietpreisen in Galway, gönnte ich mir den Luxus eines frisch sanierten, super-modernen Einzelzimmers in der Leipziger Innenstadt. Zu meiner Überraschung bekam ich alle im Ausland erworbenen ECTs (Leistungspunkte) angerechnet und plötzlich waren für mein viertes und letztes Studienjahr nur noch ein Modul und die Bachelor-Arbeit übrig. Ich war begeistert und fühlte mich gleichzeitig ein bisschen Arbeitslos. Ich ging immer zu meinen Veranstaltungen und besuchte aus Interesse sogar andere Vorlesungen. Schnell stand ein Bachelor Thema fest: Frauen während der Irischen Hungersnot im 19. Jahrhundert. Ebenso schnell waren die wenigen Bücher der Bibliothek zum Thema gelesen. Der Literaturmangel bot mir ausreichend Gründe einen Flug nach Irland in der Semesterpause zu buchen – Recherche und Urlaub in einem! Schon im November begann ich die Tage bis zum ersten März zu zählen.

Wozu?

Von meinen Freunden in Leipzig waren nicht mehr viele übrig. Die meisten hatten fertig studiert und waren weggezogen. Oder noch schlimmer: viele Leute hatten sich überhaupt nicht verändert und waren aus meiner Sicht immer noch am selben Punkt an dem sie vor einem Jahr gewesen waren. Wir hatten uns wenig zu sagen und ich gab mir zugegeben nicht viel Mühe mich wieder einzuleben. Wozu wenn ich in nicht mal einem Jahr wieder nach Irland gehe? Wozu neue Freundschaften knüpfen, wenn sie die Distanz über den Atlantik dann doch nicht überleben?

Aber so ein paar Monate können verdammt lang werden, besonders wenn man nach Trubel, Partys und Ausflügen alleine in der eigenen Bude hockt. Ja ich habe zu tun, aber eben nicht genug oder besser gesagt, nichts was unbedingt ganz schnell fertig werden muss. Ich sitze vor meinem Computer recherchiere und schreibe an meiner Abschlussarbeit, lerne für die einzige Prüfung die ich habe, lese Bücher, surfe durchs Internet und freue mich auf Nachrichten aus Irland. Auf der anderen Seite werde ich neidisch und sentimental, wenn mir meine Irischen Freunde erzählen was sie machen, auch wenn sie bloß abends für ein Pint in den Pub oder Sonntags wandern gehen. Und ich bekomme ein schlechtes Gewissen, da ich mich eigentlich freue, dass es ihnen gut geht.

Auf Twitter und Facebook folge ich fast ausschließlich Irischen Accounts, obwohl es zugegeben nicht besonders gesund ist in real time zu lesen, was ich in Galway alles verpasse. Genaugenommen habe ich mir den ganzen Social Media Kram nur angeschafft, um diesmal besser mit meinen Freunden in Kontakt zu bleiben. Obwohl ich mir nicht so sicher bin, ob das wirklich hilft. Zuhause höre ich nur noch Irisches Internetradio wodurch ich von Legida und Co erst erfuhr, als plötzlich keine Straßenbahnen mehr fuhren und die Stadt lahm lag, weil überall Menschenmengen waren. Übrigens interessant zu hören, wie die ausländischen Medien über die Demonstrationen berichten, um eine andere Perspektive zu bekommen.

Zweigeteilt

Ich habe ein paar halbherzige Versuche gemacht mir Beschäftigungen zu suchen. Ich wollte mich im StudentInnen Rat für Inklusion einsetzen, aber als ich am Ende nicht zur Referentin gewählt wurde war ich sogar erleichtert. Vielleicht hätte das Amt doch zu sehr von meiner Abschlussarbeit abgelenkt. Von der Note hängt schließlich ab, ob ich den Studienplatz in Irland bekomme oder nicht. Außerdem bin ich einer der unpolitischsten Menschen überhaupt. Ich wollte etwas im Alltag von Studierenden mit Behinderungen und Chronischen Erkrankungen verbessern, auch wenn ich noch nicht so genau wusste wie oder was. Was ich nicht wollte war mich mit Bürokraten rumärgern und Protokolle schreiben, auch wenn das wohl unvermeidbar ist um langfristig etwas zu erreichen. Am Ende tat ich, was ich in letzter Zeit viel zu häufig tue, ich gab auf und verschwand.

Mit der Suche nach freiwilliger Arbeit war es das Gleiche: Ich wusste nicht was, fand nichts Geeignetes und beendete das frustrierende Unterfangen mit der Ausrede: Wozu? In ein Paar Monaten bist du eh weg. Aber Tage, Wochen und Monate in der Warteschleife mit diesem unbefriedigenden Gefühl nichts erreicht zu haben können manchmal ziemlich zermürbend sein. Auch aus der Idee Mitglied in einem Fitnessstudio zu werden wurde nicht viel. Was soll ich mit einer Jahresmitgliedschaft, wenn ich höchstens acht Monate brauche? Außerdem heißt das nächste Studio McFIT was irgendwie wie die Verarsche eines Irischen Nachnamen klingt und auf der Internetseite suchten sie gerade Models für ihre neue Fotostrecke. Nein, lieber doch nicht. Also nutze ich den Stepper und das Fahrrad, die die Vermietung freundlicherweise in einem leeren Raum zur Verfügung stellt. Ein bisschen wie ein Hamster im Rad, aber es erfüllt seinen Zweck und kostet nichts.

Nachberatung: Wie geht es dem Patienten?

Die Uni und das Auslandsamt bereiten Studierende sehr gut auf ihre Auslandsaufenthalte vor, aber warum gibt es nicht so eine Art Nachbereitung? Ich habe vor einer Weile einen ZEIT Campus Artikel über Deutsche, die langfristig im Ausland geblieben sind, gelesen. Ich kann mir sehr gut vorstellen warum: um nach der Rückkehr nicht in ein Loch der Planlosigkeit zu fallen. Die Mobilität unter Studierenden hat auch Nachteile: Ich persönlich fühle mich manchmal entwurzelt und die Menschen, die mir wichtig sind, sind oft nicht da wo ich bin. Dieses Gefühl können E-Mails, Skype und Co auch nicht überwinden. Nach fast einem halben Jahr wieder in Deutschland fange ich endlich an zu realisieren, dass ich wieder mehr im Hier und Jetzt leben muss und inzwischen habe ich auch ein kreatives Projekt gefunden, dass für mich relevant bleiben wird,  wenn ich wieder ins Ausland gehe. Auch wenn ein Auslandsjahr einige Nachteile mit sich bringt, empfehle ich es trotzdem: Diese Zeit hat unglaublich zu meiner persönlichen und akademischen Weiterentwicklung beigetragen. Ohne diesen Lebensabschnitt wäre ich heute nicht wo ich bin und hätte viele tolle Menschen niemals getroffen. Mit entsprechender Planung können auch Studierende mit Behinderungen diesen Schritt gehen. Leider tuen das noch viel zu wenig.

Perspektivwechsel

Ich glaube mich jetzt besser in ausländische Studierende, die nach Deutschland kommen, versetzen zu können. Früher habe ich mich immer gefragt, warum die immer unter sich bleiben und sich nicht integrieren. Jetzt da ich den Vergleich zu anderen Ländern habe, weiß ich wie schwierig das für sie sein muss. Wir Deutschen sind nicht unfreundlicher oder unsozialer als andere Europäer, wir wirken nur auf den ersten Blick unnahbarer und distanziert. Dadurch fällt es erstmal schwer Freundschaften zu knüpfen. Wenn man uns einmal besser kennt, entstehen oft anhaltende Freundschaften. Aber wenn alle so sind wie ich, wer macht dann den ersten Schritt?

Alles in Allem glaube ich, dass die meisten Studierenden irgendwo Einzelkämpfer sind. Gut, man geht zusammen in die Mensa, unterhält sich vor Seminaren, macht ab und zu etwas zusammen, aber im Endeffekt arbeiten und lernen alle für sich allein. Ich mag Lerngruppen, allerdings habe ich das Gefühl allein effektiver arbeiten zu können.

Im Herbst bekommen wir dann alle unser Abschlusszeugnis, wahrscheinlich sogar ohne feierliche Übergabe und das war’s. Aus den Augen aus dem Sinn. Weiter zum Masterstudium oder in die Jobsuche. Nach vier Jahren Schluss, aus vorbei und weiter im Text.

Aber halt, da sind wir ja noch gar nicht. In ein paar Tagen ist erstmal März und ich fliege zurück nach Irland, wenn auch nur für drei Wochen.

Wilkommen auf meinem Blog über barrierefreies Reisen und Inklusion

Mein Name ist Tina Franziska Paulick. Ich bin stark Sehbehindert und studiere Anglistik in Leipzig. Mein Lieblingsreiseziel ist Irland, wo ich bis vor Kurzem für ein Jahr studiert habe. Aber da ich am Liebsten unterwegs und auf der Suche nach neuen Reiseeindrücken, netten Menschen und interessanten Geschichten bin, reise ich überall hin, wenn sich die Gelegenheit bietet. Ich bevorzuge Aktivurlaube in der Natur und den Kontakt mit Einheimischen, ohne mein Gegenüber dabei wie eine extra für mich aufgestellte Attraktion zu behandeln. Bis jetzt habe ich hauptsächlich Konzertberichte geschrieben.

Um stressfreier und unabhängiger Reisen zu können, müssen Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen meist länger im Vorausplanen. Viele haben jedoch niemanden der sie begleitet, oder trauen sich nicht alleine aus ihrer gewohnten Umgebung. Außerdem ist die Informationsbeschaffung über passende Angebote oft schwierig und zeitaufwendig.

Ich interessiere mich für barrierefreie Ausflugsangebote da ich sie selbst nutze und andere Menschen mit körperlichen und / oder geistigen Einschränkungen ermutigen möchte, die Welt zu erkunden. Benachteiligungen und Ausgrenzungen entstehen oft nicht durch sogenannte „Handicaps“, sondern durch Vorurteile und Unsicherheiten der Mitmenschen.

Tourismusagenturen und Hotels haben die Anspruchsvolle Aufgabe Angebote zu gestalten, die der jeweiligen „Einschränkung“ gerecht werden, ohne diese zur einzigen Besonderheit eines Menschen zu machen. Gleichzeitig sollen sich möglichst viele Reisende von einem Angebot angesprochen fühlen. Die meisten Blinden beispielsweise empfinden ein rollstuhlgerechtes Zimmer eher als zusätzliche Barriere und ein*e Rollstuhlfahre*rin hat weniger von einem Audio Guide, wenn das zugehörige Gebäude keine Lifts oder Rampen hat. Diese Beispiele schließen nicht aus, dass es nicht doch eine*n Blinde*n gibt, der/die ein ebenerdiges Zimmer bevorzugt oder eine*n Rollstuhlfahrer*in die/der einen Audio Guide möchte. Meiner Meinung nach gibt es verschiedene Arten von Barrierefreiheit, die schwer zu verallgemeinern sind.

Um immer wieder Lösungen zu finden, mit denen alle Beteiligten zufrieden sind, sind auch wir – die Reisenden – gefragt. Ohne Feedback und aktive Beteiligung kann es keine barrierefreien Reiseangebote geben.

In diesem Blog berichte ich unter anderem von meinen Reisen , stelle Angebote vor, die meiner Ansicht nach hauptsächlich für Blinde und Sehbehinderte barrierefrei sind und reflektiere gleichzeitig über Schwierigkeiten und Enttäuschungen, die mir auf dem Weg in eine barrierefreiere Gesellschaft begegnen.

Viel Spaß beim Lesen!

Tina  Franziska Paulick