Schlagwort-Archive: Behinderung

Studentische Auslandsmobilität Erhöhen – Diskutiere mit

Der DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) organisiert im Rahmen seiner Kampagne „studieren weltweit – erlebe es!“ am 19. und 20. Juni in Essen eine Tagung mit vorangehender Online-Diskussion unter dem Titel „„Studentische Auslandsmobilität erhöhen! – Soziale Diversität und Lehramt als Herausforderung und Chance“, die vier Gruppen in den Fokus nehmen möchte:

All diese Gruppen sind – aus verschiedenen Gründen – statistisch bei Auslandsaufenthalten unterrepräsentiert. Im Rahmen des Austausches und der Diskussion geht es um die Identifikation von Hürden und mögliche Verbesserungspotentiale im Sinne der jeweiligen Zielgruppen.

Ich bin studentische Themenpatin für den Bereich Auslandsaufenthalt mit Beeinträchtigung oder chronischer Erkrankung und lade euch hiermit herzlich ein, euch noch bis zum 19. May an der Online Diskussion zu beteiligen. Hier ist mein Video in dem ich erzähle, warum sich für mich als Studentin mit Seheinschränkung Mein Auslandssstudium in Galway akademisch und persönlich gelohnt hat.

Diskutiere Mit!

Im Bereich Auslandsaufenthalt mit Beeinträchtigung oder chronischer Erkrankung findet ihr Thesen und Umfragen rund um die Themen Planung, Finanzierung und Durchführung von Auslandsstudien und Praktika, zu denen ihr kommentieren und abstimmen könnt. Die Ergebnisse werden in der Tagung im Juni ausgewertet und diskutiert.

Im Abschnitt Deine Geschichte könnt ihr von euren eigenen Auslandserfahrungen berichten und Tipps teilen, um andere Studierende zu ermutigen diese Chance zu nutzen.

Folgt Studieren Weltweit auch auf Facebook, Twitter und Instagram

 

Blogprojekt: Studieren Weltweit – Studium in Irland

 

Auch wenn es auf diesem Blog im Moment eher ruhig ist, schreibe ich auf Studieren Weltweit weiter fleißig über meine Zeit in Galway an der Irischen Westküste. Hier eine Übersicht einiger Artikel zu den Themen Planung und Finanzierung von ERASMUS-Jahr und Auslandsstudium sowie meinem Studienalltag mit Sehbehinderung. Für Fotos könnt ihr mir zusätzlich auf Instagram folgen.

Finanzierung eines Erasmus+ Studiums mit Behinderung

Im Post „Wohin als Studierende mit Behinderung?“ habe ich die wichtigsten Anlaufstellen für die Planung meines Erasmus+ Jahres an der National University of Ireland Galway genannt. Ich habe viel Verständnis und Hilfe von meinem Erasmus+ Koordinator, dem Akademischen Auslandsamt und dem International Office bekommen. Alle Mitarbeitenden haben mich in meiner Entscheidung ins Ausland zu gehen bestärkt.

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Ein Königreich für ein Bett – Wohnen in Galway

Nachdem Finanzierung und Kursauswahl für den ERASMUS+– Aufenthalt in Irland geregelt waren, galt es ein Zimmer in Galway zu finden. Ich bin kein Fan von WGs, aber nachdem ich mir einige irische Webseiten zur Wohnungssuche  angesehen hatte, wurde mir klar, dass eine eigene Einraumwohnung ein Wunschtraum bleiben würde.

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Ich packe meinen Koffer: Irland Essentials

Mir wurde erst richtig bewusst, dass mein ERASMUS+-Jahr jetzt startet, als ich wenige Tage vor Abflug nach Galway anfing meinen Koffer zu packen. Hier ein paar nützliche Hinweise fürs Kofferpacken im Allgemeinen und ein paar Dinge die auf einer Irlandreise nicht fehlen dürfen.

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Studentenjobs im Ausland – Telefonauskunft

Viele Studierende arbeiten irgendwann im Laufe ihres Studiums im Kundensupport am Telefon. Im Ausland auf Englisch mit wildfremden Menschen zu telefonieren, von denen einige einen starken irischen Akzent haben oder selbst Ausländer sind, ist allerdings noch eine Stufe anspruchsvoller.

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Studieren mit Sehbehinderung

In diesem Post möchte ich kurz erklären, wie blinde und sehbehinderte Studierende arbeiten. In den letzten Jahren hat sich die Technik auf diesem Gebiet stark weiterentwickelt und das Internet erleichtert uns vieles. Trotzdem ist es immer noch schwierig an barrierefreie Fachliteratur zu kommen.

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Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen in der Öffentlichkeit

Muss ich immer das Aushängeschild Spielen um ein positives Bild von Menschen mit Behinderungen in der Öffentlichkeit zu vermitteln?

Dieser Post ist mein Beitrag zur Blogparade der Aktion Mensch zum Thema Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen. Bis jetzt wurden überwiegend positive Erfahrungen geschildert, was ich natürlich ermutigend finde, aber oft fallen solche Begegnungen auch negativ aus und einige dieser Beispiele möchte ich hier aufführen.

Flugbekanntschaft mit einem Mitarbeiter einer Blindenorganisation

Auf meinem letzten Flug von Dublin nach Köln wollte ich einfach ungestört vor mich hindösen und Musik hören. Ich bin kein großer Fan von Smalltalk mit Fremden und schon gar nicht wenn ich müde bin und eigentlich am liebsten wieder aussteigen und zurück nach Galway fahren würde. Dementsprechend antwortete ich kühl aber höflich „Danke, ich weiß.“, als mein Sitznachbar mich darauf aufmerksam machte, dass mein Rucksack offen war.

„Soll ich ihnen das Brötchen auspacken?“

Zehn Minuten später kam das Essen, dass es bei German Whings auf jedem Flug gibt. Entgegen der üblichen Vorurteile finde ich es gar nicht schlecht: Laugenbrötchen mit Wurst oder Käse, eine kleine Flasche Wasser und Gummibärchen. Als ich das Brötchen aus der Tüte nahm und auswickeln wollte, fragte mich mein Sitznachbar, ob er mir das Brötchen auspacken solle. Ich unterdrückte die zugegeben unhöfliche Gegenfrage: „Wollen sie es auch für mich vorkauen?“, aber zu etwas Netterem als: „Nein Danke, ich bin Blind, dass heißt nicht, dass ich keine Verpackungen öffnen kann.“, konnte ich mich nicht durchringen.

Zu meiner Bestürzung eröffnete mir mein Sitznachbar jetzt, dass er in einer Blindeneinrichtung arbeite. Ich habe nicht nachgefragt welche und ich will es auch lieber nicht wissen. Ich fragte ihn ungläubig, ob er den Blinden dort Verpackungen öffnete und er antwortete „ja, manchmal.“. Ich war bedient, setzte meine Kopfhörer auf, drehte die Musik lauter und verkniff mir weitere Kommentare für den Rest des Fluges. Diese Episode trug nicht gerade zur Steigerung meiner Laune bei. An dieser Stelle könnte ich mich über Spezialeinrichtungen auslassen, aber dazu schreibe ich bei Gelegenheit einen anderen Beitrag.

Es gibt keine Dummen Fragen – oder doch?

Die Begegnung lässt mich nicht los. Ich werde immer noch wütend und frustriert, wenn ich daran denke. Ich bin Fragen gewöhnt und je nach meiner Laune, der Art der Frage und der Sympathie die mein Gegenüber ausstrahlt, nehme ich mir die Zeit sie zu beantworten oder eben nicht. Richtig dumme Fragen wie: „Warum versuchst du nicht in die gleiche Richtung weiter zu laufen, wenn du an eine Wand stößt?“ ignoriere ich grundsätzlich.

Niemand muss sich anstarren oder verletzen lassen!

Als Teenager habe ich Leuten, die sich lautstark im Bus in der dritten Person über mich unterhielten, als sei ich taub oder überhaupt nicht da, den Finger gezeigt oder die Zunge raus gestreckt. Oft war ich so wütend und hätte ihnen am Liebsten vor die Füße gespuckt um ihnen meine grenzenlose Verachtung zu zeigen, aber dazu war meine Erziehung doch zu gut. Durch den Besuch eines „normalen“ Gymnasiums bekam ich irgendwann ein dickeres Fell.

Manchmal bin ich froh, dass ich nicht sehe, wie mich die Leute anstarren. Meine Mutter wird regelmäßig wütend und starrt demonstrativ zurück. Sie meint, als ich klein war hätten sie wildfremde Leute auf der Straße angesprochen und gesagt, sie solle mit mir zum Augenarzt gehen, weil ich schielen würde. Was bitte geht die das an? Wir raten ihnen doch auch nicht Diät zu machen oder sich das Rauchen abzugewöhnen.

Immer nur Hilflos oder Super-Blind

Bis vor Kurzem hatte ich eine Phase, in der ich der Welt unbedingt beweisen wollte, dass ich und viele andere Blinde selbstbestimmt leben, private und berufliche Ambitionen haben und nicht den ganzen Tag unglücklich sind, weil sie nichts Sehen können. Ich versuchte eine positives Bild von Blinden zu vermitteln und redete und redete, hatte aber oft das Gefühl gegen eine Wand zu argumentieren. Nach solchen Gesprächen fühlte ich mich leer und ausgelaugt, wie eine Pressesprecherin die nie Feierabend hat.

Wie Heiko Kunert in einem sehr gelungenen Artikel beschreibt, wollen die Medien meistens Geschichten über hilflose Blinde oder Super-Blinde mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und Talenten darstellen. Das die meisten von uns sich irgendwo dazwischen einordnen würden ist zu alltäglich für die Presse. Oft wird uns das Gefühl gegeben unsere Behinderung wäre eine Minderwertigkeit die wir irgendwie anders ausgleichen müssen.

Trotzdem und noch mal Trotzdem

Ich breitete meine komplette Lebensgeschichte vor völlig fremden Menschen aus, nur um am Ende doch wieder zu hören: „Ich finde das toll, wie sie trotzdem studieren, Sport machen, einkaufen…“ Trotzdem ist für mich das Unwort schlechthin. Manchmal möchte ich antworten: „Ich finde es toll, wie sie trotz ihrer Ignoranz immer wieder versuchen zu denken!“.

Heute versuche ich Gespräche wie: „Die Arme, so ein hübsches, junges Mädchen und dann blind.“, zu ignorieren. Diese Leute wollen mich gar nicht verstehen und ich würde nur meine Zeit verschwänden mich über sie aufzuregen oder zu versuchen, ihnen zu erklären, dass ich nicht hilflos bin. Sie haben ihr vorgefertigtes Weltbild und fertig. Merken diese Leute eigentlich nicht, wie verletzend und unhöflich ihr Verhalten ist? Ich kommentiere doch auch nicht öffentlich ihre Figur, ihre Stimme oder über was sie sich unterhalten.

Gegenfragen

Eine Freundin beschwerte sich letztens, dass Leute sie immer sofort und unverhohlen über ihre Blindheit ausfragen: „Haben sie das schon immer? Kann man da gar nichts machen? Sehen sie überhaupt nichts?“ Oft ärgert sie sich über sich selber, weil sie diese Fragen immer und immer wieder geduldig beantwortet. Über einem Bier hatten wir dann die Idee einfach mal zurück zu fragen: „Haben sie Diabetes? Kann man da gar nichts machen? So würde ich wirklich nicht leben wollen!“ oder: „Wie war ihr Stuhlgang heute morgen?“. Sicher das würde jedes Gegenüber schockieren aber dann würden einige Leute mal merken, was für private fragen sie da eigentlich stellen. Ausprobiert habe ich es leider noch nicht.

Die Ewige Pressesprecherin

Ich kenne Blinde, die sagen mit solchen Aktionen verschreckt man die Sehenden nur und vermittelt ihnen ein negatives Bild von Blinden. Schon möglich, aber ich sehe mich nicht als Sprecherin aller Blinden. Meine Sehbehinderung ist nur eines von vielen Merkmalen die mich als Individuum ausmachen, genau wie meine Haarfarbe, meine Stärken und Schwächen und viele andere Dinge.

Andere fürchten, wenn sie angebotene Hilfe nicht annehmen, wird ihnen vielleicht dann auch keine Hilfe mehr angeboten, wenn sie sie brauchen. Auch wenn es oft schwer fällt über den eigenen Schatten zu springen finde ich, dass wir nach Hilfe fragen müssen, wenn wir sie haben wollen. Wir können nicht einerseits fordern gleichberechtigt behandelt zu werden und andererseits erwarten, dass immer auf uns Rücksicht genommen wird. Letztendlich muss aber jede_r selber wissen wie er oder sie mit Mitmenschen und schwierigen Situationen umgeht.

Manchmal werde ich gefragt: „Wie orientieren sich Blinde in fremden Umgebungen?“, „Wie führen Blinde einen Haushalt?“ oder „Wie gestalten Blinde ihre Freizeit?“. Da diese Fragen oft höflich und aus ernst gemeintem Interesse gestellt werden, versuche ich sie so gut ich kann zu beantworten, weise aber darauf hin, dass ich lediglich sagen kann, wie ich persönlich oder andere Blinde die ich kenne bestimmte Dinge machen. Unsere Sehbehinderung macht uns nicht automatisch alle gleich.

Warum dann einen Blog?

Durch diesen Blog habe ich eine Kompromisslösung gefunden, mit der ich selbst glücklich bin. Ich kann mich über meine Behinderung äußern wenn wann und wie ich will, ohne über die Reaktionen eines Gegenübers nachdenken zu müssen. Das soll nicht heißen, dass ich mich nicht über Kommentare und Anfragen freue und sie nicht beantworte, aber das Internet ermöglicht mir eine gewisse Distanz und gibt mir Zeit meine Gedanken zu formulieren. Erfahrungsgemäß hinterlassen nur Leser_Innen Kommentare, die darüber nachdenken was ich schreibe und sich ehrlich dafür interessieren.

Ein Recht auf schlechte Laune und Privatsphäre!

Ich muss nicht immer und überall Rede und Antwortstehen. Ich bin auch nur ein Mensch mit Gefühlen und Launen, der das Recht hat kurz angebunden, müde, schlecht gelaunt, genervt oder sonst wie zu sein. Auch Menschen mit Behinderungen haben das Recht “Nein, darüber möchte ich nicht reden.“ Zu sagen. In einer idealen inklusiven Gesellschaft müsste ich nicht extra freundlich oder besonders geduldig sein, nur um als vollwertiges Mitglied akzeptiert zu werden. Nur wer mir mit einem Mindestmaß an Höflichkeit und Respekt begegnet, kann von mir eine entsprechende Antwort erwarten.

Inklusion basiert für mich auf gegenseitigem Respekt nicht auf Mitleid oder voyeurismuss!

Spieglein Spieglein an der Wand Hast Du ´nen Knick in der Optik oder was? – Sehbehinderung und Mode

Dieser Beitrag wurde in verkürzter Form in der Maiausgabe der „Gegenwart“, der Verbandszeitschrift des DBSV veröffentlicht.

Mode – das ist etwas für meine kleine Schwester, die gerade ihre Begeisterung für Klamotten und Make-up entdeckt. Ich interessiere mich nicht sonderlich dafür. Doch je länger ich über das Thema nachdenke, desto klarer wird mir eine Erkenntnis: Kleidung kann niemandem völlig egal sein. Jeder muss sich der Witterung und dem sozialen Umfeld anpassen, wenn er nicht krank oder angestarrt werden will. Und auch „praktisch“, „bequem“ und „billig“ sind Kriterien einer bewussten Kleiderwahl.

Ich bin 23 – in einem Alter, in dem sich angeblich alle Frauen für Mode interessieren. Mit meinem Sehrest von fünf Prozent erkenne ich Farben und Umrisse. Ich stehe nicht jeden Morgen vor dem Spiegel und ärgere mich, dass ich mich nicht richtig erkennen kann. Stattdessen freue ich mich über alles, was ich noch sehe und schaue mir gerne an, was andere Frauen tragen. Meine Mutter und ich haben viel Spaß, wenn sie mir die modischen Entgleisungen von Passanten beschreibt. Da ich Gesichtszüge kaum wahrnehme, erkenne ich Freunde an ihrer Kleidung und Haarfarbe, wenn ich weiß, was sie anhaben. Als zu meiner Schulzeit darüber diskutiert wurde, in Deutschland Schuluniformen einzuführen, geriet ich daher nahezu in Panik. Es wäre eine große Umstellung, ohne meinen Sehrest zurechtkommen zu müssen.

Sehende sind oft erstaunt, wenn sie herausfinden, dass der Alltag von Blinden und Sehbehinderten nicht wesentlich anders abläuft als ihr eigener. Ich wurde einmal gefragt, wie ich mich denn alleine anziehe, worauf ich ziemlich unwirsch antwortete, dass soweit ich weiß sich niemand mit den Augen anzieht. Genauso nervt es mich, wenn davon ausgegangen wird, dass wir alle die gleichen Hilfsmittel und Orientierungen nutzen. Besonders verschiedene Sehbehinderungen sind oft nicht miteinander vergleichbar und jede_r muss in dieser Hinsicht eigene Methoden finden oder Tipps selbst ausprobieren. Auch wenn es mir vielleicht helfen würde, habe ich kein durchstrukturiertes Ordnungssystem in meiner Wohnung und ich sortiere auch keine Kleidungsstücke nach Farben. Allerdings hänge ich sie vorzugsweise auf Bügel, da ich sie so oft schon durch flüchtiges Anfassen unterscheiden kann und nicht ständig alles neu zusammenlegen muss.

Die Entwicklung meines Kleidungsstils hat nichts mit meiner Sehbehinderung zu tun.

Als kleines Kind zog ich an, was meine Mutter für mich ausgesucht hatte. Beim Anblick von Fotos mit knallbunten Kleidchen und weißen Socken in Sandalen schüttle ich zwar heute den Kopf, aber das war wohl in den 1990er Jahren Mode.

Als Teenager war mein Kleidungsstil genauso wechselhaft wie meine Launen. Ich las die Styling-Tipps in der „Bravo“ unter einem Lesegerät und ließ mich von anderen Mädchen und Fernsehsendungen inspirieren. Ziellos trieb ich auf den Modewellen dahin. Einen Sommer sollte alles orange sein, im nächsten Jahr pink. Ich mochte lange Ohrringe, Fell, Haarbänder und Glitzersteinchen und versuchte, alles Kindliche hinter mir zu lassen.

Mit 16 Jahren kam ich in meine Punk-Rock-Phase.

Ich war nie ein richtiger Punk oder eine Gothic-Diva, aber ich mochte den Stil – auch wenn ich nie den Mut hatte, ihn völlig zu übernehmen. Piercings und Tattoos hätte meine Mutter sowieso nicht erlaubt und die Klamotten in den Gothic-Läden waren ziemlich teuer. Einige Jahre lang trug ich fast nur Schwarz, Grau und Armeemuster, vorzugsweise mit Totenköpfen, Nieten und Leder. Meine Lieblingshaarfarbe war Pflaumenlila. Falsche Krawatten, Nietenarmbänder und ein schwarz-rot-karierter, zylinderähnlicher Hut waren meiner Mutter ein Dorn im Auge. Doch auch wenn mein geliebter Hut eines Tages auf mysteriöse Weise verschwand, hat sie selten versucht, mir ein Kleidungsstück auszureden.

Im Nachhinein glaube ich, dass ich lieber durch mein Aussehen als durch meine Sehbehinderung auffallen wollte. Wenn ich schon angestarrt werde, dann wegen etwas, das ich selbst beeinflussen konnte. Das ist eine pubertäre Einstellung, war für mich damals aber eine konsequente Reaktion.

Heute mag ich immer noch dunkle Farben, aber inzwischen finden sich auch Rot, Pink, Blau und Pastellfarben in meinem Schrank. Die Totenköpfe sind verschwunden und zerrissene Jeans werden nicht extra weiter zerschnitten, sondern landen im Müll. Die Haare färbe ich mir wahrscheinlich erst wieder, wenn sie grau werden. Insgesamt ist mein aktueller Stil eher sportlich und praktisch: Jeans und T-Shirt oder auch mal eine Bluse. Im Sommer ziehe ich gerne Röcke oder Kleider an. Ich mag Oberteile mit raffinierten Schnitten und verschiedenen Texturen. In High Heels kann ich nicht laufen und Rucksäcke finde ich praktischer als Handtaschen. Aber Tücher, Schals und Mützen kann man nie genug haben. Letzten Winter hatte ich eine Schwäche für Gestricktes, auch wenn Handwäsche mehr Arbeit macht.

Klamotten Shoppen

Wenn ich, meist in Begleitung meiner Mutter, shoppen gehe, habe ich eine ungefähre Idee im Kopf, was ich kaufen möchte. In der richtigen Abteilung angekommen, gehe ich an den Kleiderständern entlang, schaue mir Farben und Muster an, befühle das Material und sage meiner Mutter, was ich anprobieren möchte. Sie sucht mir dann die passende Größe heraus.

Meine Mutter ist zwar auch kein Modefreak, aber sie hat eine gute Vorstellung was mir steht und was nicht und sie sagt ehrlich wenn sie etwas unmöglich findet. Eine Shoppingbegleitung die zu allem einfach „ja, sieht gut aus“ sagt, ist keine Hilfe. Ich habe auch schon Verkäuferinnen um Hilfe gebeten, dann wusste ich genau was ich suche wodurch es relativ schnell ging. In großen Läden haben die Verkäuferinnen oft wenig Zeit und ich würde mich unter Druck fühlen, wenn sie mir die ganze Zeit nachlaufen müssen, um die Größen für mich zu finden.

Selbst mit der Lupe nach Größen und Preisen zu suchen, wäre mir bei einer ausgedehnten Shoppingtour zu frustrierend. Mir ist wichtig, wie sich der Stoff anfühlt, schließlich muss ich ihn den ganzen Tag auf der Haut tragen. Oft bemerke ich erst beim Anprobieren eines Kleidungsstücks, dass es anders geschnitten ist, als ich dachte, oder entdecke ein Schmuckelement, das mir nicht gefällt. Abhängig von Farbe und Kontrast, kann ich teilweise größere Aufdrucke auf T-Shirts lesen. Wenn ich nicht weiß, was ein Schriftzug auf einem Shirt bedeutet oder ich seiner Bedeutung nicht zustimme, kaufe ich es nicht. Ein Spruch auf der Brust ist schließlich ein Statement.

Aus reinem Interesse würde ich gern einmal an einer Style und Farbberatung teilnehmen um neue Ideen und Inspirationen zu bekommen, aber das heißt nicht, dass ich mich sklavisch an die Ergebnisse halten würde. Was mich tatsächlich sehr interessieren würde ist ein Make – Up Kurs.

Mode und Behinderung

Mode und Behinderung scheinen in der Gesellschaft bisweilen unvereinbar zu sein. Mode gilt als visuell – das Hervorheben von Schönheit und Kreativität mit Hilfe des menschlichen Körpers. Behinderung dagegen wird oft als Makel gesehen, den man am besten versteckt. Dabei haben die wenigsten Menschen, behindert oder nicht, Modelmaße. Und die muss auch niemand haben. Kleidung sollte den Menschen passen, nicht umgekehrt.

Ich stehe nie vor einer Kamera oder größerem Publikum, habe keinen begehbaren Kleiderschrank, war noch nie in einer Luxus-Boutique und verbringe lieber so wenig Zeit wie möglich in Geschäften. Trotzdem ist es mir wichtig, Klamotten anzuziehen, die mir gefallen und in denen ich mich wohlfühle. Wie bei anderen jungen Frauen auch, ändert sich mein Kleidungsstil von Zeit zu Zeit. Meine Sehbehinderung ist ein Teil meines Lebens, sie definiert aber nicht meine Persönlichkeit, die ich unter anderem über meine Kleidung ausdrücke.

Coole Links:

Anstatt euch peinliche Fotos zu zeigen, wie ich früher ausssah, hier lieber noch etwas nützliches.

In diesem englischen Video zeigt Christine Ha, eine blinde Fernsehköchin, wie sie sich jeden Tag blind schminkt.

Und auf der Webseite von Jennifer Sonntag gibt’s auch jede Menge über Mode und Make-Up.

Workshop: Bewerbungstipps und wie Präsentiere Ich Meine Behinderung als Stärke

Am 14. 02. 2015 fand in den Räumen des Blinden –und Sehbehindertenverbandes Sachsen BSVS in Dresden ein eintägiger Workshop zum Thema Wie bewerbe ich mich richtig und wie präsentiere ich meine Behinderung als Stärke; oder nehme zumindest dem Arbeitgeber die „Angst“ Angestellte mit Beeinträchtigungen zu beschäftigen. Auf dem Tagesplan standen neben Aufbau und Inhalt von Bewerbungsmappe, Lebenslauf und Motivationsschreiben auch elektronische Bewerbungen und speziell das Ansprechen der Sehbehinderung im Vorstellungsgespräch. Da wir eine kleine Runde waren, blieb genug Zeit für individuelle Fragen sowie Erfahrungsaustausch zum Seminarinhalt und anderen Themen.

Wer Bist Du und Warum Bist Du Hier?

Nachdem wir großzügig mit Kaffee, Tee und Keksen bewirtet wurden, stellten wir uns und unsere Erwartungen und Hoffnungen an das Seminar kurz vor. Interessanterweise kamen die Teilnehmenden aus den unterschiedlichsten Berufsbereichen und befanden sich an den verschiedensten Punkten in ihrer Karriere. Es gab Beschäftigte, seit Kurzem und seit Längerem Arbeitssuchende, Auszubildende und Studierende der Psychologie, Informatik und ich eben aus dem Sprach und–Kulturbereich.

Ich hatte mich ehrlich gesagt kurz entschlossen aus reinem Interesse angemeldet. Abgesehen von sporadischen Übungen in der Schule habe ich mich bis jetzt ausschließlich in Englisch beworben. Da ich im Moment aber nach einer Stiftung suche, die meinen Master im Ausland finanziert, kam mir die Gelegenheit recht. Der Preis stimmte und außerdem konnte ich die Fahrt nach Dresden gleich mit einem Besuch verbinden.

Die Referenten

Elvira ist Integrationsberaterin im Berufsbildungswerk Dresden und dort für die Durchführung von Bewerbungstrainings sowie für die individuelle Begleitung des Bewerbungsprozesses tätig. Steven war kurzzeitig ebenfalls im Berufsbildungswerk als Rehabilitationskoordinator tätig und arbeitet derzeit bi der AWO Sachsen als Fachreferent für den Bereich offene Sozialarbeit / Behindertenhilfe. Steven organisierte den Workshop zusammen mit André, beide sind Jugendsprecher des Blinden – und Sehbehindertenverbandes Sachsen ev. Für Rückfragen oder Infos zu anderen Veranstaltungen des Vereins könnt ihr die beiden gern kontaktieren:

s.brentrop@bsv-sachsen.de und a.brendle@bsv-sachsen.de

Literatur zum Thema

Zu den Themen Bewerbungsmappe, Anschreiben und Lebenslauf finden sich im Internet und in der einschlägigen Literatur massenhaft Ratschläge und Beispiele. Meiner Meinung nach gibt es sogar so viel, dass ich den Überblick verliere und gar nicht mehr weiß an was ich mich am Besten orientiere. Besonders Bücher aber auch Internetquellen veralten schnell und am Ende sind viele Sachen heute gar nicht mehr üblich. Viele Quellen sind also mit Vorsicht zu genießen und ihr solltet immer vergleichen. Ich persönlich empfand es als sehr hilfreich, Tipps direkt von einer Expertin zu bekommen und direkt Nachfragen zu können. Viele Fragen ergaben sich erst im Gespräch.

Ich gehe hier nur auf Punkte ein, die mir vorher unbekannt waren oder die ich für besonders erwähnenswert halte.

Wie Läuft dein Leben?

Ich persönlich ziehe den Englischen CV der Deutschen Version des Lebenslaufes vor. Im Englischen und inzwischen teilweise auch im Deutschen beginnt man mit der Aufzählung der Lebensabschnitte chronologisch beim Aktuellsten beginnend und endet mit dem höchsten Schulabschluss. Durchaus sinnvoll, denn wen interessiert wo ich in der Grundschule oder sogar im Kindergarten war? Zugegeben bei jungen Leuten mit wenig Arbeitserfahrung bleibt der Lebenslauf ziemlich kurz, aber viel Text spricht nicht unbedingt für gute Qualifizierung. Personalchefs lesen hunderte von Bewerbungen, also kann man ihnen die Arbeit auch erleichtern und nur relevante Fakten schreiben. Manchmal liegt die Würze eben doch in der Kürze.

Die Frage der Anonymität und Mut zur Lücke

Einige Britische und Amerikanische Firmen weisen explizit darauf hin, dass sie keine Angaben zu Familienstand und ethnisch-religiösem Hintergrund haben wollen. Teilweise sogar keine Hinweise auf Nationalität, Geburts – Ort und Datum sowie Geschlecht. Dieses Verfahren soll bewusste und unbewusste Diskriminierung vermeiden. In Deutschland gehören Details zur Person (außer Religion) zumeist noch zum Standard.

Monatsgenaue Zeitangaben reichen aus. Lücken im Lebenslauf sollten nicht verschwiegen, aber im Rahmen der Wahrheit positiv dargestellt werden. „Arbeitssuchend“ klingt besser als „Arbeitslos“ und „Berufliche Neuorientierung“ wirkt besser als „Studienabbruch“. Außerdem bitte nicht alle Krankheiten und Krankenhausaufenthalte einzeln auflisten.

Foto! Lächeln Bitte!

Auf einen Englischen Lebenslauf habe ich nie ein Foto geklebt und obwohl es in Deutschland auch nicht mehr Pflicht ist, wird es doch häufig positiv anerkannt und die Bewerbung wirkt insgesamt persönlicher. Darüber was man anhaben sollte gibt es wie bei so Vielem widersprüchliche Meinungen. Eine knallharte Bänkerin im schwarzen Kostüm oder ein seriöser Versicherungsvertreter im neutralen Anzug würden zu kalten Farben raten. Bewirbt man sich jedoch für einen kreativen Job oder eine Position im sozialen Bereich, wirken wärmere aber nicht zu knallige Farben sympathischer. Auch für das Bewerbungsgespräch hat es wenig Sinn sich zu verkleiden und dann sichtbar unwohl zu fühlen. Ein guter Tipp: Fragt eine nahe stehende Person zu ihrer / seiner ehrlichen Meinung zu eurem Outfit und nehmt am Besten jemand zum Fototermin mit.

Ich persönlich hasse Fototermine und zögere sie so lange wie möglich heraus. Bis jetzt waren die meisten Fotografen unter Zeitdruck und reagierten nicht besonders net und geduldig, wenn ich aufgrund meiner Sehbehinderung nicht genau dort hin schaute wo sie wollten. Solche Momente sind mir ziemlich peinlich und ich will sie so schnell wie möglich hinter mich bringen. Logischerweise ziehe ich auf den entstandenen Bildern ein entsprechend unfreundliches Gesicht, nehme das Bild dann aber, weil ich die Sache beenden will. Bei gewöhnlichen Passfotos ist das nicht weiter schlimm, da darf man eh nicht lächeln und die meisten Leute sehen auf biometrischen Fotos ohnehin aus wie Kriminelle. Für Bewerbungen sind diese Bilder allerdings eher schädlich. Das nächste Mal werde ich hartnäckiger sein und das Bild nicht kaufen, wenn es mir nicht gefällt. Schließlich gibt es in jeder Stadt mehrere Fotogeschäfte.

Bei guten Läden bekommt ihr eine CD dazu, damit man das Bild auch digital hat und es beliebig nachdrucken kann. Selbstgedruckte Fotos sollten nur auf dem Lebenslauf sein, wenn sie gute Qualität haben und nicht verpixelt sind.

Material und Inhalt der Bewerbungsmappe

Wenn ihr nicht gerade Bewerbungen am Fließband produzieren müsst oder das Geld nicht von der Agentur für Arbeit zurück bekommt ist es sinnvoll in gute dreiteilige Mappen zu investieren und dickeres Papier zu verwenden, damit die Unterlagen nicht schon vom Angucken knitterig werden. Aus den dreiteiligen Mappen mit Laschen rutschen die Blätter nicht so einfach heraus und das Anschreiben wird oben lose aufgelegt. Aber auch klassische Schnellhefter sind in Ordnung. Mir gefiel die Idee zum Gespräch noch einmal die Edel-Version der Mappe mitzubringen, die oft wieder mitgenommen werden kann.

In einem Anschreiben schreibt ihr wo ihr das Jobangebot gefunden hab (Kennnummer angeben wenn vorhanden), warum ihr euch auf diesen Job bewerbt und welche Qualifikationen ihr dafür mitbringt. Ein Motivationsschreiben wird eher bei Praktika verlangt. Hier spielen persönliche Motivation und Interessen eine entscheidendere Rolle.

Überraschend für mich war, dass Einleitungssätze wie „Hiermit bewerbe ich mich . . .“ völlig out sind. In vielen Online-Beispielen von Max Mustermann ist diese Formulierung häufig zu lesen. Mit dem Standardspruch weckt man allerdings kein Interesse. Die Einleitung muss zum Weiterlesen motivieren. Es erfordert einiges an Übung den richtigen Ton zu treffen. Der Text sollte weder zu unsicher noch zu selbstüberzeugt klingen. Die häufige Verwendung des Konjunktivs – eine meiner persönlichen Schwächen – vermittelt einen ungewollt wagen Eindruck. Schlagwörter wie „teamfähig“ und „kommunikationsfreudig“ klingen leer, wenn sie nicht anhand von Beispielen belegt werden.

Bewerbung per E-Mail

Heutzutage bevorzugen viele Arbeitgeber Bewerbungen als E-Mails oder sie haben sogar ihr eigenes elektronisches Bewerbungsverfahren. Aber auch hier gibt es Regeln. Wenn nicht anders gefordert sollte der Inhalt der Bewerbungsmappe als eine PDF an die Mail angehängt werden. PDFs sind einfach zu öffnen und drucken, außerdem haben sie oft eine geringere Speichergröße als andere Formate. Zusatzunterlagen wie Zeugnisse und Textproben können in einer zweiten PDF geschickt werden. Sowohl die Datei als auch der Betreff sollten mit aussagekräftigen Namen versehen werden. Die Mail an sich leer zu lassen oder ohne Anrede und Grußformel nur „Siehe Anhang.“ zu schreiben, gilt als unhöflich.

Ähm, Da War Ja Noch Was – Die Behinderung

Mit dem Thema Behinderung und Arbeitssuche müssen sich die wenigsten Bewerber beschäftigen, daher wird es auch kaum in allgemeinen Workshops und der Literatur angesprochen. Der ungeschickte Umgang mit der für den potentiellen Arbeitgeber oft heiklen und unangenehmen Thematik kann aber für Arbeitssuchende fatale Folgen haben. Ähnlich wie mit Lücken im Lebenslauf bringt es wenig die Tatsache zu verstecken. Spätestens beim Gespräch – oder bei weniger sichtbaren Behinderungen kurz nach der Einstellung – fällt es ohnehin auf und für eine Beeinträchtigung muss sich niemand schämen! Trotzdem ist es ratsam die Behinderung erst gegen Ende zu nennen, schließlich sollten fachliche Qualifikationen die entscheidende Rolle spielen.

Positiv Wirken

Langatmige Ausführungen wie man mit Spezialtechnik arbeitet sollten im Anschreiben vermieden werden. Blinde beispielsweise können jedoch Computerkenntnisse und wenn vorhanden sehr schnelles Zehn-Fingerschreiben als Fähigkeit angeben. Menschen, die noch nie mit Menschen mit Handicap gearbeitet haben wissen teilweise wirklich nicht, dass diese Computer benutzen können. Ein Satz wie „Für weitere Nachfragen diesbezüglich stehe ich ihnen gern zu einem persönlichen Gespräch zur Verfügung“, mindern die Berührungsängste. Obwohl eine Seminarteilnehmerin von einem Gespräch berichtete, zu dem sie stundenlang anreiste, nur weil ihr Gegenüber einmal wissen wollte, wie Blinde arbeiten. Schon am Anfang verkündete der nette Herr,, dass er nie vorgehabt habe, die Bewerberin einzustellen. Solche Vorfälle sind hoffentlich eine Seltenheit und so etwas muss sich niemand bieten lassen. Ich würde aufstehen und gehen.

Die Behinderung als Stärke

Eine Behinderung ist nicht nur eine Schwäche, sie fördert auch Stärken: Anstatt Formulierungen wie „Trotz meiner Behinderung kann ich . . .“ raten Experten zu Sätzen wie:

Durch meine Sehbehinderung habe ich früh gelernt strukturiert und zielorientiert zu arbeiten und meinen Alltag effizient zu planen. Da ich mich weniger visuell verständige, bin ich verbal sehr kommunikativ und spreche meine Mitmenschen an, wenn ich Hilfe benötige. Diese Fähigkeit macht mich zu einer teamfähigen Mitarbeiterin. Technik und besonders der Computer helfen mir ungemein im privaten und beruflichen Leben. Daher beherrsche ich die gängigen Textverarbeitungsprogramme, sowie das Zehnfingerschreiben und sorgfältige Internetrecherche.

Diese positive Beschreibung eignet sich besonders für Bürojobs und Tätigkeiten in den Bereichen Journalismus. Kundenservice und Soziales, erweist sich aber in leicht abgewandelter Form beispielsweise auch für Informatiker_Innen als hilfreich.

Die Unsicherheit im Gespräch Nehmen

Es kommt vor, dass die Behinderung überlesen wurde, aber das ist dann Nachlässigkeit der Personalabteilung und manchmal kann der Überraschungseffekt helfen. Größere Unternehmen beschäftigen oft eine_n Behindertenbeauftragte_n, der / die beim Gespräch in vermittelnder und beratender Funktion anwesend ist. Bevor es zu verlegenem Schweigen gegen Ende des Gespräches kommt, empfiehlt es sich die Behinderung selbst in positiven Formulierungen anzusprechen. Bei Interesse passt an dieser Stelle eine kurze Erläuterung der eigenen Arbeitsweise. Ihr solltet auch offen zugeben, was ihr definitiv nicht könnt, zum Beispiel das erstellen von visuell ansprechenden Werbeprospekten. Das Nichtvorhandensein eines Führerscheins muss nicht zwangsläufig ein Ausschlusskriterium sein. Oft ist er gar nicht zwingend nötig und außerdem gibt es für ungefähr die Hälfte der Arbeitszeit Arbeitsassistenz.

Die Angst vor Mehrkosten und wirtschaftlichen Verlusten Nehmen

Viele Arbeitgeber/Innen wissen nicht, dass die Einstellung von Behinderten kein Nachteil ist, sondern sogar ein Vorteil sein kann. Zum einen sparen sie eventuell die meiner Meinung nach noch zu geringe Gebühr für nicht Erfüllen der Quote und zum Anderen zahlen andere Träger den Mehrkostenaufwand. Die bereits erwähnte Arbeitsassistenz zahlt das Integrationsamt. Auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder die Firma bekommt Geld, um eine/n andere/n Mitarbeiter/In für zusätzliche Stunden als Assistenz zu beschäftigen oder man sucht sich eine Externe Arbeitskraft. Arbeitgeber_Innen bevorzugen oft ersteres, da es sich um internes Personal handelt. Allerdings kann die Assistenz bei Arbeitsplatzwechsel nicht mitgenommen werden. Zudem behalten Chefs den Haupteinfluss über interne Mitarbeiter. Um externe Assistenz müsst ihr euch selbst kümmern. Das heißt ihr seit für die regelmäßige Lohnabrechnung verantwortlich. Dieses Konzept ist dagegen selbstbestimmter und flexibler. Ihr wählt die Person selbst und vereinbart mit ihr eine Arbeitsweise. Anfangs steht auch Mobilitätstraining auf dem Weg zur Arbeit und am Arbeitsplatz zur Verfügung.

Arbeitsplatzausstattung – ein Weiterer Kostenpunkt

Die behindertenspezifische Ausstattung wird wiederum von der Agentur für Arbeit finanziert. Darunter fällt nicht die Hardware, da diese alle Angestellten benötigen, aber beispielsweise Screenreader-software, Brailezeilen, extragroße Bildschirme, Stehschreibtische und teurere Stühle bei Rückenproblemen. Abhängig von den zuständigen Bearbeitern und der Verfügbarkeit der finanziellen Mittel ist hier Hartnäckigkeit gefragt. Preisvergleiche bei diversen Herstellern können sich lohnen. Oft werden anstatt der gewünschten Hilfsmittel preisgünstigere Varianten genehmigt. Hier hilft meistens das Argument, dass ihr euch in unbekannte Software und Bedienkonzepte erst einarbeiten müsst, wofür während der Arbeitszeit keine Zeit ist. Dies kann nur durch Spezialschulungen ausgeglichen werden, welche am Ende sogar teurer sind als die gewünschten Hilfsmittel. Durch diese Ausführungen verlieren die meisten Arbeitgeber_Innen ihre Bedenken gegenüber behinderten Bewerber/Innen.

Solltet ihr den Job nicht bekommen, war vielleicht doch jemand anders besser qualifiziert oder die Personaler sind einfach ignorant. Im zweiten Fall hätte ich wenig Lust mit diesen Menschen zusammenzuarbeiten. Nur nicht aufgeben und weiter bewerben!

Fazit:

Weitergebildet und neu motiviert beendeten wir diesen aufschlussreichen Arbeitstag. Ich habe jetzt mehr das Gefühl meine Rechte zu kennen. Menschen mit Handicap sind keine Lasten sondern Bereicherungen für den Arbeitsmarkt. Diese Bestärkung vermittelt neues Selbstbewusstsein. Wir sollten aufgrund unserer beruflichen Qualifikationen und nicht aus falschem Mitleid eingestellt werden. Leider ist immer noch ein Großteil der Deutschen mit Beeinträchtigungen arbeitslos oder zumindest unterbezahlt und das trotz abgeschlossenen Ausbildungen oder akademischen Qualifikationen. Bevor sich daran grundlegend etwas ändert müssen Vorurteile und Barrieren in den Köpfen abgebaut werden. Dazu müssen auch die „Betroffenen“ beitragen, indem sie versuchen angesichts dumm erscheinender Fragen verständnisvoll, ruhig und sachlich zu reagieren. Auf die Frage: „Haben sie einen Führerschein?“ würde ich jetzt antworten: „Nein, mit 5% Sehvermögen ist da nichts zu machen, aber ich bekomme Arbeitsassistenz vom Integrationsamt bezahlt, die mich zu Außenterminen begleitet.“

In diesem Sinne: erfolgreiches Bewerben und nicht verzweifeln, auch wenn es manchmal schwer fällt!

Danke an Elvira und Steven für den Workshop und danke André für seine Mithilfe an diesem Artikel.